Schauspiel ist die Reaktion auf einen imaginären Reiz.

Auf Basis dieser Definition trainieren Schauspieler, dffb-Regiestudenten und Autoren fünf Wochen gemeinsam.

Wir glauben dem Schauspieler nur, wenn die Reaktion auf einen Reiz möglichst echt ist. Nur wenn Romeo Julia wirklich liebt, funktioniert das Stück. Der Schauspieler des Romeo muss auf die Schauspielerin der Julia so reagieren, dass mir als Zuschauer eine so große Liebe glaubhaft wird, die mindestens für drei Leben reicht. Nur dann akzeptiere ich, dass sich Romeo umbringen muss, wenn er sie tot glaubt. Wäre die emotionale Bindung der beiden die eines One Night Stands und bringt sich dann Julia um, weil Romeo weg ist, bin ich als Zuschauer eher peinlich berührt, weil ich dem Schauspieler sein Handeln nicht glaube. Unser Ziel ist es also, möglichst persönlich zu spielen!

Dazu haben wir mit dem BERLINER STUDIO einen geschützten Ort geschaffen, an dem wir uns ohne Erfüllungsdruck allein auf das Schauspiel konzentrieren können.

Wir trainieren unsere Fähigkeit zur Entspannung und unsere Wahrnehmung – die Selbstwahrnehmung, die Wahrnehmung unserer Partner (Kontakt mit dem Partner aufbauen und halten) und die unserer Umwelt. Konzentration, Sensorik und Imaginationsfähigkeit werden ebenfalls täglich trainiert.

Jeder Teilnehmer (also auch Regisseure und Autoren) spielt in den fünf Wochen ca. 2-3 Szenen und wird 2-3 Übungen zeigen können. Durch dieses Training schaffen wir es als Schauspieler, in den Szenen aus dem Moment heraus authentisch zu reagieren, den Partner zu nutzen und das Ziel der Rolle zu verfolgen - und das wiederholbar, ohne dabei äußerlich das Gleiche machen zu müssen.

Die letzten Seminare an der dffb haben gezeigt, dass dieses Training gemeinsam mit Regisseuren und Autoren - abgesehen von der Weiterentwicklung der individuellen Fähigkeiten – dazu führt, dass man eine gemeinsame Sprache erlangt, die bei der Arbeit am Set, am Schreibtisch hilft. Man versteht den Gegenüber besser, lernt mit- und voneinander.